Warum jetzt Handeln angesagt ist

Grüne Stadtratsfraktion fordert, den Folgen des Klimawandels auf kommunaler Ebene umfassend, zügig und strukturiert entgegenzutreten
Lichtenfels. Wetterextreme, schlechte Ernten, sterbende Wälder – der Klimawandel hat auch in Deutschland bereits messbare Folgen. Laut dem neuesten Klimafolgenbericht der Bundesregierung ist Bayern besonders stark davon betroffen. Die überdurchschnittliche Erwärmung wirkt sich nicht nur negativ auf die biologische Vielfalt, Landwirtschaft und menschliche Gesundheit aus, sondern ist auch mit Kosten für Städte und Kommunen verbunden. Dass in diesem Zusammenhang nun konkret gehandelt werden muss, steht für die Grünen Stadträtinnen und Stadträte außer Frage, wie sich bei der jüngsten Fraktionssitzung zeigte.

Grüne Hausnummer als wichtiges Signal

Die Einführung der „Grünen Hausnummer“ in Lichtenfels wird von den Grünen unterstützt und als deutliches Signal gewertet, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Es sei dringend erforderlich, private Anwesen energieeffizienter zu gestalten. So will sich die Fraktion in Zukunft dafür einsetzen, dass die Grüne Hausnummer in den neuen Bebauungsplänen der Stadt verankert werden wird. „Auf diese Weise schafft die Stadt politische Rahmenbedingungen für mehr Klimagerechtigkeit im Hinblick auf künftige Generationen“, betonte Fraktionssprecherin Dr. Susann Freiburg. Mathias Söllner wies außerdem darauf hin, dass die Grüne Hausnummer mit umfangreichen Kosteneinsparungen für Bauherren verbunden sei, da für viele der damit einhergehenden Maßnahmen finanzielle Förderungen gewährt werden. Siegbert Koch sprach sich darüber hinaus für eine Förderung der Stadt im Bereich von Fassaden- und Dachbegrünungen aus. Die Fraktion plant, sich für die Aufwertung städtischer Flächen, etwa für die Anlage von Streuobstwiesen, einzusetzen. Ein Antrag, für jeden neugeborenen Lichtenfelser künftig einen Baum zu pflanzen, wollen die Grünen im Oktober bei der Stadt einbringen.

Kipp-Punkte müssen verhindert werden

Mit Diana und Steffen Biskupski hatten die Grünen Stadträte zwei Lichtenfelser zur Fraktionssitzung geladen, die sich vielfältig im Bereich Klimakrise einsetzen und von ihrem Engagement bei der Initiative „German Zero“ berichteten. In einem Kurzvortrag zeigten die beiden auf, was regional getan werden kann, um die sogenannten Kipp-Punkte, sprich kritischen Schwellen im Klimasystem, zu verhindern. Es gelte, schnellstmöglich umzudenken und in Zukunft gesetzliche Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften zu implementieren – auch lokal vor Ort durch Gestaltung von Klimaplänen für Städte und Gemeinden. „Eine Bewegung der Menschen ‚von unten‘ soll diese Änderungen anstoßen“, so Diana Biskupski. Besonders wichtig sei es, zurück zur lokalen Kreislaufwirtschaft zu finden und hier beispielsweise energieautarke Kommunen zu schaffen oder solidarische Landwirtschaft zu stärken. Erste Ideen zum Carsharing in Lichtenfels sammeln die beiden gerade. Dr. Susann Freiburg wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein integriertes Klimaschutzkonzept für den Landkreis, dessen Städte, Märkte und Gemeinden schon lange vorliege. „Es harrt jedoch der Umsetzung in den einzelnen Kommunen“, so Freiburg. Sämtliche Entscheidungen in den Kommunen seien, wenn sie denn nachhaltig sein sollen, am Klimawandel auszurichten.

Lokale Strukturen stärken

Dr. Christine Schmidt kam abschließend auf das Thema Regionalmarketing, die Vernetzung von Dorfläden und die Unterstützung der Ökomodellregion Obermain-Jura zu sprechen. „Es zeichnet sich ab, dass die Idee der solidarischen Landwirtschaft besonders gut ankommt“, so die Stadträtin. Etwa über die Bildung einer Genossenschaft könnten sich Bürger die landwirtschaftlichen Erzeugnisse einer bestimmten zur Genossenschaft gehörenden Fläche teilen. Wer sich in eine solche Genossenschaft einkauft, erhalte im Gegenzug wöchentlich einen bestimmten Ernteteil. Eine andere Idee wäre die Einführung von Obst- und Gemüsekisten, die von heimischen Landwirten bestückt werden würden. Da den Grünen an der Erhaltung der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Lichtenfels gelegen ist, wäre es auf diese Weise möglich, heimische Landwirte zu unterstützen.

Erstveröffentlichung im September 2020

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