Lichtenfels. Ein Grab ist ein Ort der Erinnerung – doch dort kann zugleich neuer Lebensraum entstehen. Wie Trauerkultur, persönliche Gestaltung und Artenschutz zusammenpassen, zeigte ein gut besuchter Informationsabend des Kreisverbands von Bündnis 90/ Die Grünen im Bistro „Stadtknecht“ in Lichtenfels.
Nach der Begrüßung der Vorstandsmitglieder Sandra Nossek und Susann Freiburg eröffnete Tanja Zacher, Assistenz der Didaktik der Naturwissenschaften an der Universität Bamberg, den Abend. Am Beispiel der Wildbienen zeigte sie die Bedeutung naturnaher Friedhöfe für die Artenvielfalt. „Friedhöfe waren früher für viele Insekten wertvolle Lebensräume“, erklärte sie. Blühende Pflanzen, offene Bodenstellen und stehen gelassene Stängel hätten Nahrung, Nistplätze und Schutz geboten.
Heute seien viele Gräber mit Pflanzen gestaltet, die Insekten kaum Nutzen böten. „Eine große, farbenprächtige Blüte bedeutet nicht automatisch, dass sie Bienen oder Schmetterlingen Nahrung bietet“, sagte Zacher. Gefüllte Blüten erschwerten den Zugang zu Pollen und Nektar, exotische Arten seien für heimische Insekten oft wenig geeignet. Schon kleine Änderungen könnten helfen: „Pflanzenstängel dürfen über den Winter stehen bleiben, der Boden muss nicht ständig umgegraben werden, und auch auf stark behandelte Friedhofserde kann man verzichten.“ So könne ein Friedhof wieder zu einem lebendigen Ort werden.
Anschließend zeigte die ehemalige Floristin Monika Löffler anhand zahlreicher Fotos, wie vielfältig naturnahe Grabgestaltung aussehen kann. Kritisch betrachtete sie die verbreitete saisonale Wechselbepflanzung mit einjährigen Blumen. „Viele dieser Pflanzen werden unter hohem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln produziert, weit transportiert und nach kurzer Zeit wieder entsorgt“, erklärte sie. Mehrjährige und standortgerechte Pflanzen könnten dagegen lange wachsen und dem Grab zu jeder Jahreszeit einen eigenen Charakter geben.
Schon während des Vortrags stellten die Gäste Fragen zur Pflanzenauswahl, zu sonnigen und schattigen Standorten und zum Pflegeaufwand. „Es gibt nicht die eine richtige Lösung“, betonte Löffler. „Wichtig ist, dass die Pflanzen zum Standort passen und sich die Angehörigen mit der Gestaltung wohlfühlen.“ Auch mögliche Einschränkungen durch Friedhofsordnungen kamen zur Sprache. Diese beträfen vor allem Kunstblumen; einer naturnahen Bepflanzung stehe grundsätzlich wenig entgegen.
Den Abschluss bildete Michaela Mann mit einem persönlichen Erfahrungsbericht. Sie hatte ein Familiengrab von einjähriger auf mehrjährige Bepflanzung umgestellt. „Einige Pflanzen sind sofort gut angewachsen, bei anderen mussten wir nachbessern“, berichtete sie. Als Anregung aus einer früheren Veranstaltung kombinierte sie die Pflanzen mit alten Schiefertafeln vom Kirchendach und Holzstücken. Die Bilder zeigten ein abwechslungsreiches und persönliches Grab.
Nach einem Jahr fällt ihr Fazit positiv aus. „Fachliche Beratung, zum Beispiel durch den NABU, ist gerade am Anfang sehr hilfreich“, sagte Mann. Zugleich sei die Gestaltung ein spannender Weg, bei dem man beobachten und ausprobieren könne. Besonders berührend sei für sie der Gedanke bei jedem Besuch: „Das hätte meiner verstorbenen Mutter bestimmt auch gefallen.“
Ein gemeinsamer Spaziergang eines Teils der Teilnehmenden über den Friedhof rundete den Abend ab. Dabei wurde deutlich: Trauer und Leben müssen keine Gegensätze sein. Ein naturnah gestaltetes Grab kann die Erinnerung an Verstorbene bewahren und zugleich neuen Lebensraum für Pflanzen, Bienen und Schmetterlinge schaffen.
Text von Dr. Susann Freiburg, Vorstandsmitglied der Grünen Lichtenfels


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